Studio-Vorbereitungen für Musiker

Um bei Terminen und Recording-Session einen optimalen Ablauf zu gewährleisten sind in unserem Studio diverse Vorbereitungen zu klären. Hintergrund ist, dass wir die Zeit mit Bands, Musikern und Künstlern optimal nutzen möchten, um Frust und Verzögerungen zu vermeiden.

Folgende Tips zum Thema Recording, wenn ihr bei uns im Studio Aufnahmen machen möchtet:

Zeitplan und Termin:

Sorge für die Termine im Studio für einen entspannten Zeitplan. Das gilt sowohl für die Zeit vor und nach den Recording Session. Es bringt nichts, wenn ihr abgehetzt zu einem Termin kommt oder im Anschluss an die Studio-Zeit noch Termin wahrnehmen müsst. Das erzeugt einen gewissen Druck und Stress, den wir nach Möglichkeit natürlich vermeiden wollen. Nehmt euch also bitte nichts vor für den Tag sondern konzentriert euch auf genaue diesen Termin. Es kann unter bestimmten Umständen deutlich länger dauern als geplant. Ein weiteren Termin im Anschluss an eine Recording Session zu legen erzeugt Zeit-Druck, den ihr bestimmt nicht braucht.

Die richtige Zeit:

Kommt ausgeruht und relaxt in unser Studio. Bist Du ein Langschläfer oder eher der „frühe Vogel“?! Suche Dir eine Zeit für Termine heraus, wo du dich am besten konzentrieren kannst und wo Du kreativ bist. Es gibt Musiker, die erst in den Abendstunden zur Höchstform auflaufen. Hier macht es keinen Sinn morgens um 09:00 Uhr einen Termin zu vereinbaren.

Vorbereitung der Stücke und Songs:

Bereitet euch auf euren Part und eure Performance vor. Da bedeutet in der Praxis, dass ihr die Songs oder bestimmte Parts eines Songs „in-und-auswendig“ wiedergeben könnt. Sind bestimmte Solos zu spielen oder gibt es fest definierte Abläufe bereitet diese intensiv vor (Intensiv bedeutet an der Stelle, dass man euch morgens um 03:00 Uhr wecken kann und ihr eure Parts blind runterspielen könnt!). Es macht keinen Sinn erst am Tag im Studio zu entscheiden was ihr spielt und wie ihr es spielt. Dies gehört definitv zu den Vorbereitungen, so dass ihr im Studio nur noch „abliefern“ müsst. Das spart euch Zeit und Nerven!

Gleiches gilt für Gesang. Lernt eure Texte auswendig! Nichts ist schlimmer, wenn ihr ins Stottern kommt oder krampfhaft euren Text lesen müsst. Natürlich könnt ihr euch eure Texte mitnehmen, diese sollten aber eher zur Orientierung und zur Unterstützung dienen.

Bereitet die Songs und Stücke optimal vor. Im Vorfeld muss klar sein, welche Tonart und welche Abläufe die Stücke haben. Sprecht euch vorher in Proben genaustens ab. Damit vermeidet ihr, dass andere Bandmitgleider plötzlich andere oder neue Parts im Studio „erlernen“ müssen. Ich habe oft erlebt, dass Musiker einer Band zu einzelnen Sessions kommen und dann plötzlich feststellen, dass ein bestimmter Part von dem eigentlich geplanten Tracks massiv abweichen. Vorbereitung ist alles!

Equipment:

Sorgt dafür, dass euer Equipment am Tag im Studio optimal „funktioniert“. Für Saiten-Instrumente gilt bis zum Vortag neue Saiten aufzuziehen bzw. im Studio mit neuen Saiten zu spielen. Verwendet ihr alte und viel benutzte Saiten klingen diese oft Dumpf und haben keine Durchsetzungskraft. Für Schlagzeuger gilt es dafür zu sorgen, dass neue Felle auf dem Set sind. Ich habe schon oft Schlagzeuger im Studio gehabt, die auf so alten Fellen spielen, dass sich kein optimaler Sound wiedergeben lässt. Legt euch ein paar Tage vor der Session neue Felle zu. Achtet darauf, dass Felle keine Macken haben und diese einen guten Klang erzeugen können.

Prüft alle Kabel auf Brüche oder Defekte. Nichts ist ärgerlicher, wenn ihr „den“ Take eures Lebens eingespielt habt und dieser aufgrund eines defekten Kabels nicht sauber im Kasten ist. Wir verwenden hier im Studio übrigens ausschließlich hochwertige Kabel und gehen auch entsprechend mit diesen um. Weiterhin schaut, dass sämtliche Elektronik die ihr verwendet kein Brummen erzeugt oder Knackser von sich gibt.

Für Schlagzeuger gilt: Stimmt euer Set…nichts ist gruseliger wie ein schlecht gestimmtes Schlagzeug. Wir unterstützen euch natürlich auch bei dieser Herausforderung. Weiterhin solltet ihr schauen, dass alle beweglichen Teile (Fußmaschine, HH, etc.) nicht quitschen oder sonstige Geräusche von sich geben. Wichtig ist hier auch der Snare-Teppich, dieser muss sauber anliegen und darf nicht zu viel „rascheln“.

Timing und Metrik:

Sehr wichtiges Thema. Lernt eure Stücke im richtigen Timing zu spielen. Seid nach Möglichkeit alle „klick-fest“. Es gibt nichts schlimmeres, wenn euer Timing schlecht ist und die Stücke mal schneller oder langsamer werden. Ganz wichtig ist dies für die Schlagwerker. Diese sind hauptverantwortlich für Timing zuständig. Hier muss alles passen. Gerade wenn Stücke mit Loops oder Samplern aufgenommen werden ist ein sauberes Timing unabdingbar. Zudem arbeitet man in der Regel im Studio mit Klick bzw. auch mit sogenannten „Klick-Tracks“. Hier ist es unerlässlich sauber im Timing zu sein.

Für alle Instrumente gilt: Spielt im Studio in eurer „Komfort-Zone“ was Timing und Genauigkeit betrifft. Ich habe gerade Gitarrsiten und Schlagzeuger gesehen die im Studio über ihre Verhältnisse spielen. Bei Gitarrsiten werden gerne Solis als „Finger-Übung“ mitgebracht. Ok, wenn man das bis ins letzte Detail drauf hat…kein Problem. Aber wenn man seine Parts nicht 100%ig wiedergeben kann bzw. noch nicht mal „nah dran“ ist erzeugt das eher Frust als Spaß. Im Studio werden gerne gerade bei den Gitarren Parts die Spuren mehrfach eingespielt (gedoppelt). Nein, die Spuren werden nicht kopiert, um diese Fett zu bekommen. Diese müssen schon mehrfach eingespielt werden. Je besser man das drauf hat (also je genauer man jeden Part wiedergeben kann) desto fetter wird eine Gitarre im Mix. Ist die Wiedergabe pro Durchgang jedes mal anders hört sich das später eher nach zwei oder mehr Gitarren an und bekommt einen sehr chorus-lastigen Touch. Hier kommt es wirklich auf absolute Genauigkeit an!!!

Der Hintergrund ist, dass diese mehrfach eingespielten Spuren im Panorama verteilt werden und somit die Gitarre eine gute Stereo-Breite bekommt (bzw. auch das sogenannte „Rock-Brett“ bekommen). Es gibt einige die probieren eine eingespielte Spur einfach zu kopieren und diese dann rechts und links im Panorama zu verteilen. Was passiert aber, wenn ich eine Mono-Spur kopiere und die beiden Spuren nach Rechts und Links verteile?! Richtig, es bleibt eine Mono-Wiedergabe (nur ein wenig lauter als das Original).

Timing ist aber auch für die Vocals und die Background-Vocals essentiell wichtig. Sitzt der Gesang nicht auf Punkt oder hat der Background Schwierigkeiten den richtigen Einsatz zu treffen ist das mehr als ärgerlich. Ja, man hat im Studio immer die Möglichkeit Passagen oder ganze Stücke „auf-Punkt“ zu ziehen, aber aus meiner Sicht ist die schlechte Gesangsperformance nicht im Mix zu bereinigen. Diese gehört defintiv im Recording sauber einzusingen. Kleiner Tip für Sänger: Übt eure Stücke nur mit Metronom (also ohne Playback oder ähnliches). Für Handys gibt es reichlich kostenfreie Apps, die euch da unterstützen können.

Grundsätzlich gilt hier: Probt eure Stücke gemeinsam mit Metronom ein. Mindestens der Schlagzeuger sollte kontinuierlich mit Metronom spielen (nein, nicht nur beim Anzählen….das gesamte Stück!!). Je mehr Musiker sich auf das Metronom „einlassen“ desto besser werden auch später die Aufnahmen. Weiterer Vorteil mit „Klick“ zu spielen ist, dass eure Stücke immer auf dem gleichen Tempo bleiben. Ich kenne Proben und Studio-Sessions, wo plötzlich festgestellt wird, dass das Stück zu langsam oder zu schnell gespielt wird. Die vorherige Defintion des Tempos lässt hier keine Fehler zu. Für Live-Veranstaltungen (ich spiele grundsätzlich mit Klick, ohne Ausnahme!!!) mache ich es sogar so, dass ich einige Stücke ein paar Punkte „anziehe“. Dies hat den Hintergrund, dass man auf der Bühne gerne mal mit mehr Adrenalin aufgeputscht wird und man sehr dazu tendiert die Stücke schneller zu spielen. Um diesen Effetk nicht komplett auszubremsen erlaube ich mir immer das ein oder andere Stück mit ein paar BPM mehr zu spielen (je nachdem, was das Stück verträgt).

Jetzt gibt es die ein oder anderen Argumente von Musikern, um sich um das „mit-Klick-spielen“ zu drücken. Hier habe ich schon oft gehört: „Wenn alles mit Klick eingespielt wird hört sich das dann steriel an bzw. hat keine Seele“. Mal im Ernst, 99,9% aller aktuellen Stücke die Du kennst sind mit Klick eingespielt worden. Ich konnte bei den meisten nicht hören, dass diese steril klingen!!! Weiterhin gibt es Musiker, die der Meinung sind, dass der Klick sie zu sehr in ihrer Performance einschränkt und ein „freies“ Spielen so nicht möglich ist. Na klar, wenn ich mich mit der Thematik nie richtig auseinander gesetzt habe und mit einem Metronom nicht umgehen kann bin ich halt sehr eingeschränkt 😉

Die Kunst ist es mit einem Klick zu „spielen“ bzw. diesen eigentlich nur als Orientierung zu verstehen. Ich spiele alle Dinge im Studio mit Klick ein, halte mich aber nicht „verkrampf“ auf dem Beat. Man muss so etwas fühlen lernen und das geht nur, wenn man das Metronom als ständigen Begleiter mit sich trägt. Hier ein kleines Video des Schlagzeugers Benny Greb, der ein paar Dinge zum Thema Metrik schön erzählt bzw. ein paar Übungen dabei hat die man gerne mal selber ausprobieren kann: Benny Greb: Time Awareness: Using of the Click